OFM-Agentur auswählen: 12 Fragen vor der Unterschrift
Eine praktische Creator-Checkliste für OFM-Agenturen: Leistungen, Provision, Vertrag, Account-Zugriff, Kommunikation, Grenzen und Kündigung.
Eine gute OFM-Agentur kann Struktur, Fachwissen und verlässliche Abläufe in dein Creator-Business bringen. Eine schlechte Wahl kann dagegen Abhängigkeit, Missverständnisse und unnötige Konflikte erzeugen. Entscheide deshalb nicht nach dem lautesten Umsatzversprechen, sondern nach klaren Antworten, schriftlichen Konditionen und der Frage, ob die Arbeitsweise wirklich zu dir passt.
1. Was macht die Agentur jede Woche konkret?
Bitte nicht nur um Begriffe wie Full-Service oder Wachstum. Lass dir erklären, welche Aufgaben tatsächlich übernommen werden: Strategie, Posting, Fan-Kommunikation, Retention, Analytics, Promotion, Content-Planung oder Teamkoordination.
Eine brauchbare Antwort nennt Zuständigkeiten, Häufigkeit und die Aufgaben, die weiterhin bei dir bleiben. Erst dann kannst du beurteilen, ob die verlangte Provision zur tatsächlichen Arbeit passt.
2. Wer erhält Zugriff auf meine Accounts?
Kläre, welche Personen oder Teams Zugriff benötigen, welche Rechte sie bekommen und wie dieser Zugriff beim Ende der Zusammenarbeit entfernt wird. Gib nicht leichtfertig die Kontrolle über deine primäre E-Mail, Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Wiederherstellungswege ab.
Wo Plattformen Rollen oder Teamzugänge unterstützen, sind begrenzte Zugriffe in der Regel leichter zu kontrollieren als die vollständige Übergabe eines Accounts.
3. Wie wird die Provision berechnet?
Ein Prozentsatz allein reicht nicht. Frage, ob er sich auf Bruttoeinnahmen, Einnahmen nach Plattformgebühren oder einen anderen Betrag bezieht und wie Rückerstattungen, Chargebacks, Steuern und Werbekosten behandelt werden.
Lass dir auch alle Kosten erklären, die zusätzlich zur Provision entstehen können – etwa Werbung, Personal, Software, Produktion oder externe Dienstleister.
4. Wie lange läuft der Vertrag und wie komme ich wieder heraus?
Prüfe Mindestlaufzeit, automatische Verlängerung, Kündigungsfrist und Pflichten nach dem Vertragsende. Eine längere Laufzeit ist nicht automatisch schlecht, muss aber durch Leistung und Investition nachvollziehbar begründet sein.
Verlasse dich nicht auf die mündliche Aussage, dass eine Kündigung später schon unkompliziert sein werde. Entscheidend ist die schriftliche Regelung.
5. Ist die Zusammenarbeit exklusiv?
Exklusivität kann nur eine Plattform betreffen oder sehr weit gehen und Social Media, Webcam-Arbeit, andere Agenturen oder zukünftige Projekte erfassen. Lass den Umfang konkret definieren.
Wenn du bereits mit einem anderen Anbieter arbeitest, sag das vor einer neuen Vorstellung offen. Überschneidende exklusive Verträge können vermeidbare Probleme schaffen.
6. Wie kommunizieren wir und wer entscheidet was?
Frage nach einem festen Ansprechpartner, üblichen Reaktionszeiten, regelmäßigen Reviews und dem Prozess für Content- oder Angebotsfreigaben. Gute Zusammenarbeit braucht weder Funkstille noch permanenten Druck.
Du solltest genug Einblick behalten, um dein eigenes Business zu verstehen, auch wenn das Team viele tägliche Aufgaben übernimmt.
7. Wie werden meine Grenzen dokumentiert?
Deine Grenzen sollten als verbindliche Arbeitsregeln behandelt werden. Frage, wie sie dokumentiert, an Chat- oder Content-Teams weitergegeben und später geändert werden.
Für eine erste Prüfung reichen professionelle Kategorien. Detaillierte private Informationen sind nicht nötig, bevor du weißt, mit wem du sprichst und warum eine Information gebraucht wird.
8. Welche Reports bekomme ich?
Ein guter Report verbindet Maßnahmen mit Ergebnissen. Frage, welche Kennzahlen betrachtet werden, wie oft du sie erhältst und wie daraus konkrete Entscheidungen entstehen.
Umsatz-Screenshots ohne Erklärung zeigen noch keine Strategie und machen es schwer, die Arbeit der Agentur zu bewerten.
9. Kann ich mit aktuellen oder früheren Creatorn sprechen?
Referenzen sind nicht perfekt, können aber viel über Kommunikation, Zahlungen, Grenzen und den Kündigungsprozess zeigen. Eine seriöse Referenz sollte mit Zustimmung der betreffenden Creator-Person hergestellt werden.
Wenn eine Agentur private Kontaktdaten anderer Creator ungefragt weiterreicht, ist das eher ein Datenschutz-Warnsignal als ein Vertrauensbeweis.
10. Was passiert bei Sperre oder Sicherheitsproblem?
Frage vorab nach dem Incident-Prozess: Wer dokumentiert das Problem, ändert Zugriffe, kontaktiert die Plattform und informiert dich? Eine gute Agentur sollte ehrlich zwischen kontrollierbaren und nicht kontrollierbaren Risiken unterscheiden.
11. Wem gehören Content und Arbeitsmaterialien?
Kläre Eigentum und Nutzungsrechte an Fotos, Videos, Captions, Skripten, Analysen und Werbematerial. Der Vertrag sollte auch sagen, was nach der Kündigung gespeichert oder für Eigenwerbung der Agentur genutzt werden darf.
12. Wann würde die Agentur die Zusammenarbeit ablehnen oder beenden?
Diese Frage zeigt früh, welche Erwartungen das Team tatsächlich hat. Eine professionelle Agentur kann beschreiben, welche Creator sie sinnvoll unterstützen kann, welche Mitarbeit nötig ist und wann eine Zusammenarbeit nicht funktioniert.
Ein klares Nein am Anfang ist besser als ein vages Ja und Monate schlechter Zusammenarbeit.
Eine einfache Entscheidungsregel
Wähle nicht automatisch die niedrigste Provision oder die höchste Umsatzprognose. Vergleiche Leistung, Kompetenz, Sicherheit, Anreize, Grenzen, Kommunikation und den Ausstieg als Gesamtpaket.
- Du verstehst die konkreten Leistungen und Zuständigkeiten.
- Du behältst angemessene Kontrolle über Accounts und Wiederherstellung.
- Provision und Zusatzkosten sind transparent.
- Grenzen und Freigaberechte sind dokumentiert.
- Kündigung und Offboarding sind verständlich.
Die richtige Agentur wird meist klarer, wenn du schwierigere Fragen stellst. Druck, Ausweichen oder Widerstand gegen schriftliche Antworten sind selbst wichtige Informationen.